Montag, 10. September 2012

Gefunden: Die Liebe meines Lebens (1.9-9.9)

Nach unzähligen Höhenmetern wartete das Glück auf mich...

Für mich ist eins klar: Dieser Post bildet den Höhepunkt des Blogs. Nicht unbedingt die geschilderten Reiseerfahrungen , sondern eine unerwartete Wendung des Schicksals lassen mein Herz jetzt noch höher schlagen... 

Doch beginne ich lieber beim Anfang:
GoogleMaps zeichnet nur den ungefähren Weg nach, natürlich folgte ich
schönen Wanderrouten.
Den schönen Idyllencamping am Niedersonthofenersee musste ich nach wunderschönen Tagen hinter mir lassen. Denn es galt, irgendwie und irgendwann wieder in die Schweiz zurückzukehren. Mit Sack und Pack machte ich mich in Richtung Immenstadt auf, um von dort einen Bus nach Oberstdorf zu nehmen. Mein nächstes grosses Etappenziel hiess Dornbirn in Österreich! Ich wanderte von Oberstdorf in Richtung "Hoher Ifen" um schliesslich die deutsch-österreichische Grenze zu überqueren. Immer höher und höher hinauf in die schönen Alpen führte mich meine Wanderlust..

Schlafen im Stroh mit Überraschung


Ich darf mich nicht nur wegen der Bergluft
glücklich schätzen...
Meinen ersten Stopp hatte ich auf der "Ausserschwende" im Gasthaus "Bergblick". Die ziemlich luxuriöse  Unterkunft strapazierte meinen Geldbeutel, bot aber wahrlich eine grandiose Sicht auf das Bergpanorama. Die zweite Nacht war weniger luxuriös doch für mein Leben umso wegweisender. Ich hätte es nie für möglich gehalten: Doch in der grössten Abgeschiedenheit stiess ich auf mein grösstes Glück. Ich übernachtete bei der Familie Dorner, welche einen Bauernhof betreibt und "Schlafen im Stroh" anbietet. Nachdem ich es mir im Stall gemütlich gemacht hatte, ging ich auf die Bauernhofterasse um meine müden Beine hochzulagern und in interessanter Lektüre zu versinken.
Und da erblickte ich sie: Adelheid-Thekla. Falls es einen Gott gäbe, dann hätte er seinen siebten Tag bei der Erschaffung der Welt für die Schöpfung dieses lieblichen Wesens aufgewendet. Selten habe ich so viel Anmut, graziöse Weiblichkeit und natürliche Schönheit in einem Geschöpf vereint gesehen. Sie stand auf dem Felde und die spätnachmittäglichen Sonnenstrahlen reflektierten auf ihrer aschblonden Zopfscheitel. Die roten Bäcklein waren Vorboten des baldigen Abendrotes und bildeten mit den rosafarbenen Lippen eine malerische Farbkomposition. Das Kinn zuckte anmutig als die starken Arme das noch feuchte Heu mittels eines grossen Rechens in die Luft schleuderten. Ihre Schultern waren die eines graziösen, ausgewachsenen Hirschleins und ihr runder Po machte der Muttergöttin Konkurrenz. Zwei fesche Beine lugten unter dem Rock hervor und trotzten der Schräge wie zwei 100-jährige, wettergegerbte Tännlein im Wildheuihang. Während mich dieser Anblick fast vom Sockel haute, hätte wohl nur ein Jahrhundertsturm diese Ausgeburt an Lebensenergie hinwegfegen können. Meine Augen blieben an dem mit Herzchen verzierten Kleid hängen, wanderten Schluchten und Hügel abtastend zu ihrem runden Köpfchen zurück und - als ob dadurch eine direkte Verbindung hergestellt wurde - blickten ihre kleinen, hellblauen Äuglein zu meiner Wenigkeit empor... 

Noch drei Tage blieb ich auf dem Bauernhof und in dieser kurzen Zeit haben wir beide erkannt, dass wir seelenverwandt waren. Adelheid-Thekla und ich - ein Wesen in zwei Körpern. Beim Abschied war uns beiden klar: Diese Trennung sollte nur von kurzer Dauer sein. Und so weiss ich - da ich nun in Dornbirn in einem Internetcafé sitze - mein Körper ist im Tale, mein mit Adelheid-Teklas verschmolzenes Herz aber schlägt - hoch auf den sibratsgfäller Bergen - den fröhlichen Takt unser orpheischen Liebessymphonie.

Bald trete ich die letzte Etappe meiner Reise an: den Heimweg. Ich werde noch einige Tage in Bregenz weilen. Dort schliesse ich mich einem Carunternehmen, welche noch einen Platz frei hat, an um in Richtung Luzern zu fahren. Zu Hause angekommen, werde ich schliesslich noch den letzten Eintrag für diesen Blog erstellen.

(Möglichst bald möchte ich noch ein Foto von Adelheid-Thekla hochladen!)

Gutes Buch von Leo
P. Ard über Nieren-
klau.
Facts zur Sicherheit in Europa: Jedem/jeder, welche/r in Europa herumreisen will, kann ich dies aus sicherheitstechnischen Gründen nur empfehlen. Es gibt nur liebe Leute in Europa und somit muss man sich wegen Diebstählen, Entführungen und anderen Verbrechen keine Sorgen machen. Die Leute an den Strassen reichen einem Kuchenstücke und Punsch entgegen oder lassen einen mit "Gott segne dich"-Rufen von dannen ziehen. Anders ist es jedoch in Mittel- und Südamerika - meinem ursprünglichen Reiseziel -: Dort gibt es nur böse Leute. Sie stehlen, entführen und machen andere grausame Dinge (dieses Spektrum reicht von erotischem Gebäck bis zu abergläubischen Riten). Reist man in diese Länder, so muss man in Kauf nehmen, dass man mit einem Arm/Bein/Nase oder einer Niere weniger nach Hause kommt.

Sonntag, 2. September 2012

Zu den Bergdiamanten! (24.8-1.9)

Odenhausen - ein kurzer Plausch

Eigentlich wollte ich länger in Odenhausen bleiben, doch leider waren dort alle billigen Hostels und Hotels besetzt. Nach nur einer Nacht (in einer teureren Gaststätte) musste ich des Geldbeutels zuliebe den ersten Schritt zu meiner Heimreise antreten: in Richtung Süden nach Bayern!

Jürgen und Dieter im Odenhausener
Gemeindehaus "Frischluft"
Odenhausen hätte viel zu bieten (die Touristenscharen beweisen es!). Eigentlich ist das Örtchen nur ein Teil der Gemeinde Rabenau, doch ist mir der wohlklingende Namen "Odenhausen" zu sehr ans Herz gewachsen, als dass ich ihn für den Schwarzmalerischen auswechseln könnte. 
Gerne hätte ich das Leben der Odenhausener etwas besser kennengelernt: Nach einem lustigen Abend mit einigen "Locals" erfuhr ich, dass Odenhausen ein reges Vereinsleben führt: Die Freiwilligenfeuerwehr und der Gesangverein (hier ein etwas älterer Zeitungsbericht) seien nur als zwei Beispiele genannt.

Und plötzlich im schönen Allgäu!

Der Insel-Camping (Bild aus dem Internet geklaut)
Ich wollte in die Natur. Und wo gibt es mehr Natur als im schönen Allgäu - der Region mit dem hässlichen bairischen Dialekt? Doch zum Glück pfeifen die Vögel ihre eigene Sprache und so bereicherten fröhlich trällender Vogelgesang und anmutig glucksendes Froschquaken meinen Aufenthalt im Allgäu. Ich machte es mir beim "Insel-Camping" am Niedersonthofener See gemütlich. Endlich kam mein mitgeschlepptes Zelt zum Einsatz!



Rauchquarz aus dem Fichtel-
gebirge
Ich verbrachte nur einen Teil meiner kostbaren Zeit auf dem Camping: Nebst Badestunden im kalten See, liess ich meine Beine über Berg und Tal wandern. Ein Höhepunkt war ein Ausflug ins nahe gelegene "Immenstadt". Die Ortschaft hatte trotz ihrer bescheidenden Ausmasse einiges zu bieten: Von Glück kann ich reden, dass gerade das jährliche "Bergkristall-Fest" stattfand. Auf einem riesigen Festgelände wurden über 15'000 Bergkristalle ausgestellt. Ich verbrachte fast ganze 6 Stunden mit Schauen und Staunen. Erst, als  forsche Türsteher mich zur Tür wiesen, konnte ich die Bergpracht hinter mir lassen. Im Dorf herrschte fröhliche Festatmosphäre: Kapellen posaunten ihre Märsche durch die Gassen und die Immenstädter schlemmten bis die Hohlräume ihrer dicken Bäuche wieder gefüllt waren.


Facts zu den Umzügen in Bayern: Wie in der Innerschweiz, werden in Bayern Fasnachtsumzüge veranstaltet. Dabei handelt es sich aber um eine rein männliche Tradition. Während die Schwyzer Fasnacht ihren Ursprung in der Vertreibung der bösen Wintergeister hat, handelt es sich in Südbayern um ein altes Fruchtbarkeitsritual. Noch heute ziehen die Männer - durch verschiedene Faschingsverkleidungen unkenntlich gemacht - mit Angst erregenden Grunz-, Zisch- und Brummlauten durch die Fasnachtsdörfer. Experten interpretieren diese phonetischen Ausstösse als von der Natur hergeleitete Brunftrufe. Wie der Bär, der Pelikan oder bspw. das südallgäuische Stachelschwein versuchen die Männchen die Aufmerksamkeit der Weibchen zu gewinnen. Eine bis heute umstrittene Theorie der Dialektologin Kathrin Röggla besagt, dass der Unterschied zwischen des Südbairischen und den anderen bairischen Dialekten (inkl. des Fränkischen) von diesem faunabehavioristischem Transfer herrührt (vgl. Kathrin Röggla (1996): Warum Südbayern sprechen, wie sie sprechen. In: Linguistica 3(4)).

Samstag, 25. August 2012

Bei unseren Freunden - den Deutschen! (17.08-24.08) (Extra: die wahren Opfer der Eurokrise)

Osnabrück

Typischer Osnabrückner






Ach wie schön ist Osnabrück und ach wie schön sind Umlaute. Auf vielen Posts musste ich mich mit "ae", "oe", "ue" abmühen und nun sind sie wie wieder da, meine getupften Freunde! 
Nun genug der deutschen Orthographie - mein Aufenthalt im schönen Deutschland ist doch weit interessanter. Viele Schweizer verneinen es: Doch uns verbindet mit unseren nördlichen Nachbarn weit mehr als nur geografische Nähe. Nehmen wir uns einmal einen typischen Osnabrückner vor und vergleichen ihn mit einem Schwyzer. Auf der rechten Seite findet man einen Schnappschuss eines Osnabrückners. Wüsste man nicht, dass es sich beim besagten Exemplar um einen Deutschen handelt, könnte er geradezu als Ingenbohler, Ibächler oder Fillgauer durchgehen. Hier einige Gemeinsamkeiten zwischen Osnabrücknern und Schwyzern:

1. Beide essen Bratwurst mit Senf;
2. wählen protektionistisch;
3. schauen bei Werbeplakaten zuerst auf die obere, linke Ecke.

Man könnte diese Liste beliebig fortsetzen (bspw. damit, dass sowohl Osnabrückner wie auch Schwyzer den Müll gelegentlich nicht trennen).

Osnabrück - meine Heimat?

Fühlte ich mich also in Osnabrück zu Hause? Man könnte es meinen, denn waren die Tage hier Balsam für meine aus der Heimat entrissenen Seele. Der Hauptgrund für diese Verbundenheit lag wohl darin, dass ich mich von den Leuten verstanden fühlte. Hier einige Situationen, welche mir aufzeigten, wie sehr die Osnabrückner Teil Schwyz' und die Schwyzer Teil Osnabrückes sind:

- Als ich im Zoo war, fütterte ich einige Tauben. Sofort kam ein anderer Osnabrückner-Zoo-Besucher und fütterte die Tauben mit!

 


- Als ich an einem Bauernhof vorbeiradelte (ich habe ein Fahrrad ("Velo") gemietet) winkte mir eine Bäuerin zu => Wie es mir in Schwyz neulich passiert ist!
- Im Stadtzentrum spielte ein Strassenmusiker deutsche Schlagerlieder. Spontan gaben sich die Osnabrückner die Hände und schwankten im Takt mit!

Osnabrück - die Stadt mit tausend Gesichtern
Der Bucksturm im Gegenlicht

Nach diesen Tagen in Osnabrück kommt es mir vor, als könnte man hier Jahre leben und man kriegte das wahre Gesicht Osnabrücks nicht zu fassen. Die Stadt ist so vielseitig! Der schöne Zoo, die atemberaubende Domschatzkammer, das Felix-Nussbaum-Haus, der Bucksturm oder der Ledenhof sind nur einige markante Punkte des Osnabrückner Stadtlebens. Wagt man, in dieses einzutauchen, so ist es schwer, daraus wieder in den Alltag zu finden. Osnabrück ist Heimat unzählig kultureller Untiefen. Sie greifen nach dir und lassen dich nur ungern wieder los...

Mit Wehmut und nur wegen des Willens, noch weiteres zu entdecken, liess ich diesen deutschen Diamanten hinter mir und machte mich auf nach Odenhausen!

Die wahren Opfer der Euro-Krise (Facts zu Flüssen in Deutschland): Deutschland beherbergt unzählige Flüsse. Manche davon sind über 200km lang. Die meisten von ihnen sind Wohnstätte unzähliger Tiere. Leider werden manche Flüsse immer dreckiger und sollten regelmässig gereinigt werden. Da viel Geld nach Südeuropa abfliesst, kann der deutsche Staat nicht mehr genügend Reinigungspersonal aufbieten. Leidtragende sind Biber, empfindliche Fliessgewässerbewohner und indirekt der/die deutsche Fischer/-in.

Sonntag, 19. August 2012

Nicht Gras, sondern Rost inhaliert (13.8.- 17.8)

Amsterdam

Bereits die dritte Hauptstadt in Folge wurde von meinem Reisekoordinator (mir selbst) als Ziel auserkoren. Dieses Mal sollte die Wahl auf die Wasserstadt Amsterdam fallen!
Ich schlenderte  am ersten Tag, vom Nachtzug noch etwas uebermuedet, durch Amsterdam.Da ich schon einmal in diesem Bijou gewesen bin, den Van Gogh, Anne Frank und Mari Huana besucht habe, zog es mich bei diesem Abstecher zu anderem Sehenswertem.

Von einem Hostel-Besitzer erfuhr ich, dass man in Amsterdam Hafenrundfahrten machen kann. Diese seien sehr interessant, da man naher als bspw. in Amsterdam ans Geschehen rankommen kann. Somit buchte ich eine dieser Rundgaenge und fand mich schon bald zwischen Lastkontainern, Kraenen und fettverschmierten Arbeitern wieder. Die Tour machte eine etwa 40-jaehriger Deutscher. Mal auf Land, mal auf Wasser fuehrte er uns durch das Hafenviertel. Dies waere nur halb so interessant, waere ich mit Tom nicht ins Gespraech gekommen: Er renoviert gerade sein Segelschiff in diesem Hafen und fuehrt diese Touren nur als kleiner Nebenerwerb.

Nach kurzem Gespraech fragte ich ihn dann, ob ich auf seinem Segelschiff mithelfen kann. Et voilà: Fuer zwei Tage schliff, spachtelte und haemmerte ich auf seinem Stahlschiff. Dafuer durfte ich gratis mit der Crew wohnen und essen. Es war anstrengend, aber sicher ein Erlebnis wert!






Facts zu Schiffen: Schiffe funktionieren durch Verdraengung. Jedoch hat dies nichts mit Darwinismus zu tun. Verdraengt werden nicht andere Gefaehrte(n), sondern Wasser. Die Schiffswaende verdraengen das Wasser, dieses will aber an den urspruenglichen Platz zurueck. Es entsteht somit ein Kampf zwischen Wasser und Schiffswaenden. Wenn das Wasser gewinnt, geht das Schiff unter (Beispiel).

Freitag, 17. August 2012

Bei den Teufelsknechten (10.8.-13.8)

Bruessel - die Stadt der neuen Habsburger

Wie gern wuerde ich hier ueber schoene Plaetze, interessante Museen, spannende Begegnungen oder herzerfuellende Momente schreiben. Doch leider wurde mein Aufenthalt in Bruessel zum Alptraum. Nur vage mag ich mich an diese Stadt erinnern. Verschwommen und verzerrt sind die Erinnerungen... Wie lange ich in Bruessel gewesen war, konnte ich nur rueckwirkend erschliessen. Drei Tage gammelte ich im Hoellenschlund - drei Tage des Halbschlafs, der Ohnmacht und des Schlafwandelns...


Ich musste nach Bruessel. Denn schliesslich sollte man seine(n) Feind(e) kennen! Was frueher in Burgen und Zwingern beheimatet war, lebt heute in Belgien, versteckt sich hinter Aktenmauern und verteidigt sich mit Klauseln, Tinte und Aktengeroell. Wie einfach hatten es die alten Eidgenossen, sie kannten ihren Feind: Landvogt Gessler. Ein einziger Bolzen Tells genuegte, um den Tyrannen auf die Hohle Gasse plumpsen zu lassen. Heutzutage sind die Habsburger weiter gestreut und gewiffter organisiert! In Parlamenten, Raeten und unendlich vielen Bueros wetzen die europaeischen Amtsbuerokraten ihre Federn, um neue Gesetze gegen die Schweiz abzuschiessen! Manch ein treuer SVP-Gefolgsmann hat schon vor diesem Mordor unseres Kontinents gewarnt - ich, als ringloser Hobbit, habe die Brutstaette der Orks aufgesucht und mich in die Untiefen der Bruesseler Buerokratie gewagt...

Allein als ich durch die Strassen Bruessels wandelte lief es mir kalt den Ruecken hinab. Fremdbestimmung praegt jede kleinste Bewegung der EU-Buerger hier. Ein Kebab war nur durch eine bestimmte Genehmigung des Gesundheitsamtes zu bekommen. Unzaehlige Bettler tummeln sich auf der Strasse und lefzen nach neuer Stempeltinte. Papier wird mit Gold aufgewiegt und Aktenordner wie alte, aegyptische Sarkophage gehuetet. Eines steht fest: Wer in Bruessel keine Beziehungen - sei es ein Verwandter, ein weit entfernter Freund oder ein angeheirateter Schwager - zur Buerokratie hat, der ist des Todes! Und selbst dann, wenn der eigene Leichnam unter einem Stappel unausgefuellter Formulare zu vergammeln droht, braucht die Verwandtschaft Sondergenehmigungen, Bescheinigungen und Steuerformulare fuer eine Beerdigung auszufuellen.

Am schlimmsten sind die Gaenge

Nur ein kleiner Ausschnitt des
Bruesselers Amtsschreckens
Als ich mir ein Weg durch die dunklen Strassen Bruessels gebahnt hatte, fand ich schliesslich das Berlaymont-Gebaeude. In diesem ist die juristische ABteilung der EU. Mit einer kleinen Fuehrung konnte ich den Buerokratietempel anschauen. Ich schlich mich aber schon bald weg von der Gruppe, um selber in die tiefen Schlunde Europas einzutauchen.  Oh Graus! Ich weiss nicht, wie lange ich in diesem Hexenkessel verbracht hatte. Die Gaenge gleichen dunklen Minenschaechten und aus allen Tueren dringt schrecklicher Schreibmaschinenlaerm. Wer nicht mit einem dicken Stappel Papier herumeilt, wird mit kleinen Tintenkuegelchen bombardiert. Schnell hatte ich darum einen herumliegenden Aktenberg zur Hand und suchte mir einen Weg durch die neonbeschienenen Korridore. Die Luft war dick und mit jedem Schritt lagerte eine mattere Schicht Papierstaub auf meinen Brillenglaesern. Tapsig arbeitete ich mich immer tiefer und tiefer in den Aktenberg hinein. Dante gleich durchwanderte ich die sieben Hoellenkreise. Doch ab dann reisst mein Erinnerungsfaden ab...

Dank starken Mannen wie Toni bleibt die Schweiz, was sie ist:
Ein tugendhaftes Land mit Bauern. Naehren wir uns weiterhin
an den Zitzen unserer Geissen und Kuehe!
Ploetzlich wachte ich benommen vor dem Gebaeude wieder auf. Wahrscheinlich war ich ohnmaechtig geworden ob all des EU-Schreckens. Oder hatten mich die Buerokraten beim Spionieren erwischt und mich hinausgeworfen? Nur von Glueck kann ich reden, dass ich meinen Schweizer-Pass nicht dabei hatte! Was bleibt, ist ein von Angstschweiss triefendes Hemd und das mulmige Gefuehl, dass sich die Schweiz nur mit groesster Anstrengung, mit gandalfischen Kraeften von Brunner, Moergeli&Co und den ausgekluegelten Strategieplaenen von Blocher den schwarzen Tintenwellen der EU entgegen zu stemmen vermag. Die EU-Leute sind boese Menschen: Sie sind sozialistisch, geldverschwenderisch und stecken mit der Meier-Schatz und der Widmer-Schlumpf unter einem Hut. Sie wollen den Bundesrat mit Sozialisten fuellen, damit dieser die Milchwirtschaft durch Baumwollproduktion ersetzt.

Facts zu Zottel: (Ich verzichte in diesem Beitrag, Details ueber Bruessel bekannt zu geben, mir scheint, darueber schon genug berichtet zu haben.) Zottel - das SVP-Maskotchen - stammt aus echt Schweizer-Zucht. Der Geissbock hiess urspruenglich Frédérique. Aus werbetechnischen Gruenden wurde dem Tier ein etwas bodenstaendiger Name verliehen.

Mittwoch, 15. August 2012

Paris (5.8. bis 10.8)

Voilà, je suis définitivement en France. Frankreich - dies war einmal das Zentrum der Welt ! Heute zerrt jedoch das einstige Zentrum des Zentrums - Paris - nur noch an seinem historischen Kapital ohne dabei bemerkenswert Neues zu leisten. Nur die Pariser scheinen dies noch nicht ganz begriffen zu haben (es gibt immer noch "Eliten", welche Franzoesisch als Weltsprache fordern/wuenschen). Dennoch liebe ich diese Stadt. Mit dem Aufenthalt im Plug-Inn Hostel in der Naehe des Montmartres sind mir das alte Paris und unzaehlige Touristenscharen greifbar nahe. Die Einheimischen scheinen alle ausgeflogen zu sein.



Ein empfehlenswerter Ausflugsort in Paris ist der Eiffelturm: Dieser besteht aus Stahl und wurde von Herr Eiffel konstruiert. Die Form dieses Turmes gleicht vier nicht ganz durchgekochten Spaghettis, welche mit viel Fingerspitzengefuehl aneinander gelegt worden sind. (Der obere Teil, weicher als der untere Harte, klebt dann nach kurzem Abkuehlen zusammen und bildet die Spitze.) Von diesem Wahrzeichen Paris' sieht man fast bis in die Schweiz. Neben dem Eiffelturm konnte ich auch den Louvre mit seinen Bildern und die Champs-Elysée mit den reichen Pensionaerinnen besuchen. Im Louvre habe ich Lisa gesehen, ich glaube, niemand hat so viele Freunde auf Facebook wie sie...


Ich war insgesamt vier Naechte im gleichen Hostel. Lustig war insbesondere ein Amerikaner. Als Surfer ist er auf der Suche nach den besten Surfspot in Europa (Paris gehoert nur als kultureller Ausgleich dazu). Leider bestand sein kulturelles Pendant hauptsaechlich aus Bier und Bowle. Waehrend ich mit anderen Backpackern die ueberteuerten Bars in Paris besuchte, war er immer an der Auberge-Bar zugegen. Sehenswuerdigkeiten wie die Cathedrale de Notre Dame, der Arc de Triomphe oder der Sacre-Coeur zieren hoechstens seine Postkarten, werden wohl nie persoenlich von ihm aufgesucht werden.

Natuerlich besuchte ich auch noch andere schoene Plaetze: Ein Ausflug nach Versailles und ein Abstecher nach Saint Denis (eine der schoensten, aeltesten und interessantesten Kathedralen der Welt!) verkuerzten den eigentlichen Aufenthalt in der Metropole.Hier koennte man Monate leben und immer wieder ergaeben sich neue Entdeckungen. Bemerkenswert ist, dass ich trotz franzoesischem Boden hauptsaechlich Englisch sprach. Franzosen reden viel, selten jedoch mit Touristen!

Facts zu Paris: Nach diesem etwas duerftigen Bericht ueber meine Erlebnisse in Paris noch was Interessantes: Paris' Abwassersystem zaehlt die meisten Ratten weltweit. Etwa 8 Millionen dieser dreckigen Nager bevoelkern die Kanaele Paris'. Dies uebersteigt die Anzahl lebender Schwaene in Grossbritannien (welche der Queen gehoeren!) und uebersteigt die Einwohnerzahl der Schweiz. Es bleibt offen, ob es dabei einen Zusammenhang gibt. Edward Perry sieht das stark bevoelkerte Abwassersystem Paris' als eine Metapher zur baldigen Uebervoelkerung der Welt. "Gegenseitiges Zerfleischen gehoert in Pariser Abwasserkanaelen ebenso dazu, wie dauerhaftes Bekriegen den blauen Planeten praegen wird" (Edward Perry (2008): The metapher of life lies in Paris' deepness. Oxford. 22).

Sonntag, 5. August 2012

Reims (3.08.-5.08)


Und weiter nach Reims
Nach diesen schoenen Tagen in Lyon ging ich nach Reims. Dort habe es eine ganz schoene Kathedrale... Und wirklich: Deren Anblick war nur umwerfend!
Ich war wiederum in einem Hostel und ass hauptsaechlich Sachen von Marktstaenden. Einmal ging ich einen Doener essen - fuer nur 3Euro!

Facts zu Reims: Reims spricht man wie einen "raessen Chaes" aus. Das "m" wird verschluckt und das "ei" zu "ae". In Reims gibt es eine grosse "Societe chretienne" welche immer an Weihnachten gratis Suppe ausschenkt.

In Gedenken an Bilbo Beutlin (27.07-02.08)

Duestere Wolken und wirsches Schafbloecken begruessten mich am 27. Juli in Brunnen, als ich den Weg zu meiner Reise antrat. Mit Bilbo Beutlins Lied "Die Strasse gleitet fort und fort..." im Kopf, musste ich ueber seine Worte (urspruenglich an Frodo gerichtet) nachdenken: "Frodo, Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpaßt, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen." Was fuer schoene Worte fuer einen Reisebeginn! Dennoch musste ich mir eingestehen, dass ich die weiten Strecken meiner Reise hauptsaechlich mit Zuegen hinter mich bringen werde. Mit Stolz griff ich in meine Tasche und fuehlte, wie mein wertvolles Interrail-Ticket nur darauf wartete, gebraucht zu werden... Nach einem Aufenthalt in Lausanne ging es schliesslich nach Lyon

Lyon - quelle jolie ville! (28.07. bis 02.08)


In Lyon habe ich zuerst Unterkunft in der Jugendherberge am Montée du Chemin Neuf gefunden. Erste Kontakte haben mich bereits ermutigt. Aus aller Welt scheinen die Leute nach Lyon zu kommen – Australien, Asien, Nord- und Südamerika und Afrika. Nur an Antarktisbewohnern scheint es zu fehlen. Doch diesen Mangel versuche ich später mit einem Zoobesuch wett zu machen. Vielleicht sehe ich dort dann hübsche Pinguine. 
Den ersten Abend habe ich mit einer Gruppe von Spaniern in einigen Bars verbracht. Dabei kam ich auch in Kontakt mit Einheimischen. Diese konnten mir einige Tipps geben. 
Ich besuchte aber am darauffolgenden Tag vielmehr die Standard-Must-sees in Lyon, als mich an diese Ratschlaege zu halten. Ich schlenderte durch die Altstadt, genoss die Sonne auf der Presqu'ile – situiert zwischen Rhone und Saône -  und besuchte die Basilika auf dem Fourvière-Hügel. Lyon hat unglaublich viel zu bieten – zu viel sogar. Doch von all diesem Überangebot liess ich mich nicht stressen und gönnte mir ab und zu ein paar ruhige Stunden in hübschen Cafes mit mitgebrachter Lektüre und meisterlich zubereitetem Kaffee und Croissants. 
Die naechsten Tage verbrachte ich entweder allein oder mit versch. Leuten aus dem Hostel. 

Facts zu Lyon: Obwohl der Name dies vermuten laesst, hat die Lyonerwurst nicht mit Lyon zu tun. Diese stammt naemlich urspruenglich aus England und war als Lions-Sausage bekannt. Mit dem 100-jaehrigen Krieg zwischen Frankreich und England kam diese mit den Eroberungszuegen der Englaender nach Frankreich. Schweizer Soeldner in Frankreichs Diensten brachten diese englische Spezialitaet in die Schweiz.
Lyon ist die zweitgroesste Stadt Frankreichs. Es gibt Christen, Muslime und Leute, welche nicht an einen Gott, jedoch an Start Trek glauben und Klingonisch sprechen.

Prolog

Der Baer und der Tiger machten sich auf, um Panama zu entdecken. "Oh wie schoen ist Panama!" Warum dann zum Teufel reise ich durch Europa? Nun leider hat es mit dem zweiten Anlauf (ich habe schon einmal einen Flug umgebucht) auch nicht geklappt. Doch liess ich mich durch dieses Unglueck nicht ungluecklich stimmen - eine Loesung musste also her! 


Dass diese nicht aus UHU-Ferien (um's Huus ume-Ferie) bestand, war schon von Anfang klar. Somit suchte ich meine Destination in weiter entfernteren Gefilden, welche sich dennoch nicht in den Laengengraden Panamas befinden. Meine Wahl fiel schliesslich auf Europa selber: Ein zunehmend unbedeutend werdender Erdteil, welcher aber noch im letzten Jahrtausend unseren Erdkreis wirkungsmaechtig mitgestaltet hat. 



Einige Facts zu Europa: Europa wird von Europaeern bewohnt, welche der Legende nach mit einem Stier von Phoeniziern hierher gelangten. Griechen waren sehr wichtig fuer Europa aber spaeter auch Roemer oder die Wikinger. Ich selber komme aus der Schweiz, welches nie sehr bedeutend war. Heute leben etwa 740 Menschen in Europa. Die Kebab-Buden-Dichte betraegt etwa 1 Stand pro Quadratkilometer (was im Vergleich zu Amerika sehr hoch ist!)